Zitat von F.I.S.T.
und sicher bist auch du froh um die ganze Hightech, angefangen von der Medizin, über die Computertechnik, hin zu Fliessend Warmem Wasser, Klospühlung, Elektroherd, Telephon, Heizung, Bankautomaten, Elektizität ganz allgemein und was es sonst noch so alles gibt.
Hallo F.I.S.T.,
bin mehr als dankbar, unter schwierigen Umständen dank der damals modernen Medizin nicht bei meiner Geburt gestorben zu sein. Auch meine Mutter überlebte, weil die Medizin das ermöglichte. Heute wäre ich "im besten Mannesalter" längst tot, würde ich auch nur 200 Jahre früher gelebt haben, denn wer hätte eine umfangreiche restaurative zahnärztliche Behandlung damals durchführen können. Keine Frage, so gerne ich Walter von der Vogelweide oder Wolfram von Eschenbach begegnet wäre, so ungerne hätte ich damals gelebt, denn die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen dieser Zeit lag bei 18 Jahren. Wir sind uns weitgehend einig, dass moderne technische Errungenschaften uns enorme Vorteile verschaffen. Uneins sind wir, inwieweit alte kulturelle Ergebnisse für uns einen Wert darstellen. Aktuell habe ich mir den Luxus geleistet, das Buch "Die Klassiker der Physik", ausgewählt und eingeleitet von Stephen Hawking bei Hoffmann und Campe, 1068 S. zu kaufen. Dort findet man ungekürzte wissenschaftliche Originaltexte. Beispielsweise "Über die Kreisbewegungen der Weltkörper" von Nikolaus Kopernikus (1473-1543). Sein im Originaltext "De revolotionibus orbium coelestium" benanntes Werk, das nach langen Jahren der Forschung erst 1530 abgeschlossen wurde, erschien 1543, im Jahr seines Todes. Dieses Buch beginnt bei euklidischer Geometrie und stellt den Beginn der moderenen Astronomie dar. Auch heute ist es, soweit mir bekannt, kaum inaktueller geworden. Altes Wissen muss nicht veralten. Bei spekulativer Alchemie ist das etwas schwieriger, denn niemand, außer den Sektierern, ist sich restlos im Klaren, aus welchen Motiven die Chymische Hochzeit überhaupt verfasst wurde. Für mich ist dieses Buch poetisch gesehen der originellste Roman der damaligen Zeit. Angesiedelt zwischen damals moderner Mythologisierung, indem die Legende der Entdeckung der hermetischen Schriften legendär ausgeschmückt an der Figur des Christian Rosenkreuz und seiner Grabfindung dargelegt wird. Parodie, wo alchemistische Arbeiten mit parodistischen Elementen versehen werden. Mystik, wo man den Sinn des Romans in seinen tiefen allegorischen Bildern aufblitzend erlebt. Ist ein solches Buch alt? Selbstverständlich. Veraltet? Nicht für Leser, die es schätzen.