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Dieses Thema hat 20 Antworten
und wurde 2.332 mal aufgerufen
 Hypnose im Alltag
Seiten 1 | 2 | 3
F.I.S.T. Offline



Beiträge: 170

28.11.2007 22:04
#11 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten

In Antwort auf:
Das Bild ist das erfolgreichste Medium auf unserer Welt.


du vergisst die Musik ;)

Kriegstrommeln, Schamanische Trommeln, Fastnachtsumzüge, Filme, Werbung, Einkaufscenter usw.. Nothing without a Sound...

guck dir mal Werbung ohne Musik an, oder ein KInofilm auf Stumm - und du wirst schnell merken, dass der Gehöhrsinn sehr Unterschätzt wird, aber von zentraler Bedeutung ist

lG

FIST

http://seforum.forumieren.de/index.htm

Rembrand Offline



Beiträge: 1.645

28.11.2007 23:24
#12 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten



Ja das stimmt.
Die Akustik hat auf alle Fälle eine sehr starke Wirkung auf den emotionalen gehalt.

Sehr eindringlich ist der Geruchssinn.
Er wird nicht über den Thalamus kontrolliert, geht direkt ohne Filter ins Kleinhirn.
Will man sich erinnern, ist eine Aktivierung des Geruchsinns eine große Hilfe.


Liebe Grüsse
Rembrand

green Offline

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Beiträge: 3.060

28.11.2007 23:35
#13 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten

..die Unterbewertung des Gehörs (bei gleichzeitiger Überlastung durch Reize interessanterweise) ist wohl eine neuzeitliche Erscheinung
Taub=doof ist das mittelalterliche Wertesystem, ohne Gehör keine oder sehr schwierige Sprachentwicklung, also begrenzte Aufnahme von Mitteilungen, die auch im visuellen Zeitalter tatsächlich in Wesentlichen über das Gehör laufen.

Den Eindruck von einem fehlenden bildlichem Vorstellungsvermögen bei manchen Menschen kann ich bestätigen, obwohl ich mir nie ganz sicher bin, in wieweit da nicht die sprachliche Umsetzung bzw. ein Mangel in diesem Punkt eine Rolle spielen.



Rembrand Offline



Beiträge: 1.645

28.11.2007 23:45
#14 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten


Gespräche, als Austausch von Vor-stellungs-bildern. Bilder die man sich vor Augen hält. Beschreibe Deine Vorstellung zu ...
Das Gespräch führt zu abwechselnden Bildbeschreibungen der inneren Bilder, bzw. Ideen die man zu einer Sache hat.
Die Bildbeschreibung - Deutschuntericht - lernen das wesentliche des Bildes erfassen und in Worte kleiden.

Ein solcher Austausch kann zu neuen Bildkombinationen führen. Angewandte Dialektik.



Liebe Grüsse
Rembrand

green Offline

Ad-mini-strator


Beiträge: 3.060

28.11.2007 23:51
#15 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten

... haben eigentlich innere Bilder wirklich etwas mit visueller Wahrnehmung gemein?



Rembrand Offline



Beiträge: 1.645

28.11.2007 23:59
#16 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten



Taube bedienen sich der zeichensprache. Sofern dafür ausge bildet.

Nein, keine zwingende Abhängigkeit.
Eben nicht.
Wie gesagt selbst Blinde sehen Bilder.

Die menschliche Aufmerksamkeit ist sehr leicht zu lenken über Bewegung, Funkeln und Glänzen.
Frauen wissen das.

Bewegte Bilder sind für unser System sehr attraktiv.

Rembrand Offline



Beiträge: 1.645

29.11.2007 00:46
#17 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten


1850-1900: Begründung der modernen Psychologie





Gerade zur Zeit als der junge Maxwell seine Erkenntnisse zu den Kraftlinien zu Papier brachte, wurde die moderne, d h. experimentelle und messende Psychologie begründet. Beteiligt waren vor allem studierte Mediziner, auch wenn sie später Lehrstühle für Philosophie oder Physik erhielten. Häufig beriefen sie sich auf Kant und modifizierten seine Thesen.



Die Geburtsstunde der Experimentalpsychologie wird manchmal auf den Morgen des 22. Oktobers 1850 gelegt, als Gustav Theodor Fechner etwas länger im Bett liegen blieb und sich Gedanken über die materialistischen Strömungen seiner Zeit machte. Dabei fand er das Gesetz, das er später zu Ehren seines Lehrers, Ernst Heinrich Weber, Webersches Gesetz nannte. Die Empfindungsstärke wächst mit dem Logarithmus der Reizstärke.



Sinnesphysiologische Forschungen und erkenntnistheoretische Folgerungen


Rudolf Hermann Lotze (1852) meinte: Das Ding an sich ist unerkennbar, wir erkennen nur die Verhältnisse der Dinge und zwar in symbolischer Weise. Das Denken ist eine selbständige, aktive Geistestätigkeit, eine "fortwährende Kritik, welche der Geist an dem Material des Vorstellungsverlaufes ausübt", indem er die Vorstellungen trennt, deren Verknüpfung sich nicht auf ein in der Natur ihrer Inhalte liegendes Recht der Verbindung gründet.



Gustav Theodor Fechner (1860; 1882) ist der Begründer der Psychophysik als systematischer Wissenschaft. Je nach dem Standpunkt erscheint das Wirkliche als Geist oder als Körper, wobei die leibliche Erscheinung als Äusserung der geistigen Selbsterscheinung dienen kann.



Hermann von Helmholtz (1865; 1867) begründete die Sinnespsychologie und meinte wie Lotze, das Erkennen bestehe in denkender Verarbeitung des Sinnenmaterials und führe zu einer symbolischen Erfassung der Verhältnisse der Dinge. "Unsere Vorstellungen von den Dingen können gar nichts anderes sein als Symbole, natürlich gegebene Zeichen für die Dinge, welche wir zur Regulierung unserer Bewegungen und Handlungen benutzen lernen. Wenn wir jene Symbole richtig zu lesen gelernt haben, so sind wir imstande, mit ihrer Hilfe unsere Handlungen so einzurichten, dass dieselben den gewünschten Erfolg haben, d. h. dass die erwarteten neuen Sinnesempfindungen eintreten."



Bereits Granville Stanley Hall bezeichnete Helmholtz, Lotze, Fechner und Wundt als "Begründer der modernen Psychologie" (1921). Eine kurze Schilderung ihrer Absichten geben Siegfried Jaeger und Irmingard Staeuble 1977



Um 1865: Theoretische Programme für "objektive" Psychologie


Programme der objektiven Psychologie entwarfen Iwan Michailowotch Sechenow (1863) in der russischen, James Rush (1865) in der amerikanischen und Friedrich Albert Lange (1865; 1866) in der deutschen Psychologie.

Sechenow war an der Militärakademie in Petersburg Lehrer der russischen Physiologen und Reflexologen Iwan Pawlow (Nobelpreis 1904) und Wladimir Bechterew.



Rush wird von Abraham Aaron Roback (1961) als "erster Objektivist", als Vorläufer des Behaviorismus, vorgestellt. Er vertrete freimütig einen materialistischen Standpunkt. "Indem er das Gehirn mit einem reflektierenden Spiegel vergleicht, beantwortet er die Frage, ob die Materie denken kann, durch die Veränderung des Ausdrucks 'denken' in 'reflektieren' und durch die Behauptung, dass 'ein Bild oder Eindruck, den etwas auf die Hirnsubstanz macht, durch die Reziprozität der Handlung materiell sein muss'... Für ihn sind Bilder nicht nur die unmittelbare Ursache für das Denken, sondern sie sind der Gedanke selbst."


Ludwig J. Pongratz hat 1967 (74-80, 90f, 318) eine Ehrenrettung von Lange versucht.



Originelle britische Psychologie


Gemäss Alexander Bain (1855, 1859) beruht alles Geistesleben auf (einfacher, oder zusammengesetzter oder konstruktiver) Assoziation. Es gibt Assoziation durch Kontiguität (Berührung in Raum und Zeit) oder durch Similarität. Auf einer Assoziation zwischen Sinnes- und Muskelempfindungen beruht die Raumvorstellung. Bain versucht auch, Lernen als Ergebnis von Versuch und Irrtum ("tiral and error") zu begreifen.



Für die vergleichende Entwicklungspsychologie grundlegend wurden die Schriften der Engländer Herbert Spencer und Charles Darwin ("Origin of Species" 1859). Darwin verfasste weitere wichtige Schriften zur Psychologie. Der Eisenbahningenieur und Schriftsteller Spencer arbeitete sein Lehrbuch "The Principles of Psychology" (1855) mehrfach um und schrieb auch einflussreiche "Prinzipien" der Biologie, Soziologie und Ethik.

Auch Spencer hält unsere Erkenntnis für symbolisch, da die Dinge, mit denen sie sich befasst, Erscheinungen, Manifestationen des Unerkennbaren sind. Von diesem haben wir nur ein unbestimmtes Bewusstsein seines Seins, ohne dass wir seine Eigenschaften kennen. "Das Äusserste, was für uns möglich ist, ist eine Interpretation des Weltprozesses, wie er sich unserem beschränkten Bewusstsein darstellt ... Die Interpretation aller Phänomene in Ausdrücken von Materie, Bewegung und Kraft ist nur eine Zurückführung auf die einfachsten Symbole."



Für die Entwicklung der Charakterforschung und der Biometrik von grösster Bedeutung ist der als Eugeniker verschriene Sir Francis Galton (Ruth Schwartz Cowan 1969; Derek William Forrest 1974), der mehrere Anläufe unternommen hatte, Medizin zu studieren. 1883 gab er etwa 40 Artikel, die er seit 1869 verfasst hatte, als Buch heraus ("Inquiries into Human Faculty").

Nach der Untersuchung „Genie und Vererbung“ (1869) verwendete er Fragebogen zur Feststellung des Einflusses von Anlage und Umwelt ("Nature and Nurture", 1874) zuerst an Wissenschaftern, hernach an Zwillingen (1875). Er wandte die Statistik auf die Charakterforschung an und benützte schon den Begriff "Korrelation". 1884 eröffnete er an der internationalen Gesundheitsausstellung in London ein "Anthropometrisches Laboratorium", in dem nicht nur mit Apparaten, sondern auch mit Fragebogen (u. a. über Vorstellungsbilder) gearbeitet wurde.
Wichtig sind auch seine Beiträge zur Vorstellung ("imagery"). Die allgemeinen Vorstellungen nennt er "generic images" oder "blended memories", indem er sie aus der Vermischung der Differenzen von Vorstellungen eines und desselben Gegenstandes ableitet.


Französische Psychopathologie


Obwohl die französischen Pioniere über eine solide Ausbildung verfügten, betätigten sie sich eher als Theoretiker, denn als Praktiker und waren eher am kranken als am gesunden Menschen interessiert.

Wichtige Schriften erschienen von Jean-Martin Charcot (Neurologe), Théodule Ribot (Philosoph) und Charles Richet (Physiologe) sowie von Alfred Fouillée (Philosoph) seit 1870. Bahnbrechend sind Ribot Schriften über Gemütskrankheiten und - in unserem Zusammenhang - über die Entstehung von Allgemeinbegriffen (1897) und über schöpferische Einbildungskraft (1900).

Henri Etienne Beaunis (Arzt) und Alfred Binet (Jurist) gründeten 1889 das erste französische psychologische Laboratorium an der Universität Paris. Binets Interesse an der menschlichen Intelligenz führte 1905 zu ersten Intelligenztest.

Pierre Janet arbeitete in den 1890er Jahren in Charcots Labor mit Hysterie-Patienten. Auch George Dumas interessierte sich wie sein Lehrer Ribot eher für pathologische Fälle.



Seit 1875: Labors für experimentelle Psychologie


Wilhelm Wundt (1862; 1874) wurde 1857 Assistent von Helmholtz in Heidelberg. 1879 gründete er in Leipzig das erste Laboratorium für experimentelle Psychologie. Wichtig für ihn ist das "Prinzip schöpferischer Synthese", das alle geistigen Bildungen beherrscht: Durch die Wechselwirkung der psychischen Elemente entstehen Gebilde mit ganz neuen Eigenschaften und Werten. Die Denkfunktionen sind die Hilfsmittel, mit denen wir die realen Beziehungen der Erkenntnisobjekte symbolisch nachbilden.



Genau so wichtig wurde das zur gleichen Zeit (1881) von Georg Elias Müller - dem Nachfolger Lotzes - in Göttingen gegründete psychologische Labor, in welchem besonders über die Psychophysik des Sehens und des Gedächtnisses geforscht wurde. Müller veranlasste Fechner zur Revision seiner Psychophysik und führte den Begriff "psychophysische Axiome" ein. Das Berliner Laboratorium für experimentelle Psychologie wurde ein Jahr nach seiner Habilitation ("Über das Gedächtnis") 1886 von Hermann Ebbinghaus gegründet.


Bemerkenswert ist, dass von 1850-1900 Heerscharen von amerikanischen Studenten und Forschern über den Atlantik nach Europa fuhren, um sich hier mit den neuesten Methoden und Erkenntnissen vertraut zu machen. Die amerikanischen "New Psychology" (so die Formel von John Dewey 1884) ist also massgeblich von der europäischen inspiriert und initiiert.



William James hat 1867-68 in Deutschland studiert und wurde hier mit der Sinnesphysiologie vertraut In den USA richtete er bereits 1875 in Harvard ein psychologisches Labor ein, obwohl er selber kaum Experimente durchführte. Er schrieb fast zehn Jahre an seinem zweibändigen Hauptwerk, den "Principles of Psychology" (1890).

James erster Doktorand, Granville Stanley Hall, gründete psychologische Labors an der Johns Hopkins University (1883) und an der Clark University (1889). Hier beobachtete Willard Stanton Small zehn Jahre später Ratten in Labyrinthen.

Der erste amerikanische Doktorand bei Wundt, James McKeen Cattell - der auch bei Galton studiert hat -, richtete unmittelbar nach seiner Rückkehr in die USA 1887 ein Labor an der Universität von Pennsylvania und 1891 eines an der Columbia University in New York ein, wo er die Testpsychologie begründete. Hier machte auch Edward Lee Thorndike seine Dissertation auf Grund von Versuchen mit Katzen (1898).

Ein weiterer Doktorand bei Wundt, Edward Bradford Titchener, gründete bald darauf ein Labor an der Cornell University. Lightner Witmer, ebenfalls Wundt-Doktorand, wurde Nachfolger Cattells an der Universität von Pennsylvania und gründete dort 1896 die erste Psychologische Klinik. (Zur gleichen Zeit versuchte der Wundt-Schüler Emil Kraepelin in Deutschland eine klinische Psychologie zu entwickeln.)

James Mark Baldwin richtete Labors in Toronto (1889) und Princeton (1893) ein, George Trumbull Ladd das "Yale Psychological Laboratory" (1892).

Rembrand Offline



Beiträge: 1.645

29.11.2007 00:54
#18 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten



So berichtet der Schriftsteller Aldous Huxley von seiner Unfähigkeit zum Erzeugen bildhafter Vorstellungen:

„Es fällt mir schwer, und soweit ich mich erinnern kann, ist es mir immer schwer gefallen, Dinge bildlich vorzustellen.Worte, selbst die prägnanten Worte von Dichtern, evozieren keine Bilder vor meinem inneren Auge. Keine hypnagogischen Visionen umspielen mich vor dem Einschlafen. Wenn ich mich an etwas erinnere, dann taucht die Erinnerung nicht als deutlich sichtbares Ereignis oder Objekt vor mir auf. Durch eine Willensanstrengung kann ich mir ein nicht sehr lebhaftes Bild davon vor Augen rufen, was gestern nachmittag geschah ... Aber solche Vorstellungsbilder haben nur wenig Substanz und absolut kein autonomes Eigenleben. Sie stehen zu realen, wahrgenommenen Objekten in derselben Beziehung wie Homers Geister zu den Menschen aus Fleisch und Blut, die sie im Schattenreich besuchen. Nur wenn ich eine hohe Temperatur habe, erwachen meine Vorstellungsbilder zu eigenem Leben. Menschen, die ein lebhaftes bildhaftes Vorstellungsvermögen besitzen, muß meine innere Welt merkwürdig eintönig, reduziert und uninteressant erscheinen."

Albert Einstein liefert dazu das bekannte Gegenstück:

„Die Worte der Sprache, so wie sie geschrieben oder gesprochen werden, scheinen in meinem Denkmechanismus keine Rolle zu spielen. Die geistigen Einheiten, die als Elemente meines Denkens dienen, sind bestimmte Zeichen und mehr oder weniger klare Vorstellungsbilder, die willkürlich reproduziert und miteinander kombiniert werden können ... dieses kombinatorische Spiel scheint die Quintessenz des produktiven Denkens zu sein-bevor es Verbindungen mit logischen Konstruktionen in Worten oder Symbolen anderer Art gibt, die anderen mitgeteilt werden können. Die oben erwähnten Elemente sind in meinem Fall visueller und gelegentlich muskulärer Art. Herkömmliche Worte oder andere Zeichen müsen erst in einem zweiten Stadium mühsam gesucht werden, wenn das obenerwähnte assoziative Spiel hinreichend gefestigt ist und nach Wunsch reproduziert werden kann."

Amon Urmeli Offline



Beiträge: 103

29.11.2007 03:05
#19 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten

weil ich hier gerade heute glücklich sitze versuche ich es auch mal zu beschreiben, wie mein Denken verläuft. Das hab ich noch nie, das ist eine echte Herausforderung, finde ich. Mal sehen.

Zunächst einmal erlebe ich eigentlich meinen geistigen Raum und den Raum, in dem meine Träume ablaufen, als identisch. Wenn ich konstruktiv denke, also z.B. etwas im Geist modelliere, dann sehe ich das Objekt plastisch in meinem Geist, dreidimensional und ich kann es formen und kann Sachen dranbasteln, kann eine Maschine einbauen und die laufen lassen,z.B. um etwas anzutreiben. Und ich kann noch eine ganze Landschaft drumherumsetzen, das All und die Sterne ebenso, kann dann heranzoomen an den einen Stern da oben links, der mich anzieht, er ist rot und hat gelbe Ringe aus Staub in Schwefelfarbe. Ich kann auch auf den Planeten da herunterzoomen, die Grösse einer Ameise annehmen und mich mit der blauen Schnecke dort unterhalten. Ich kann hören was sie sagt, sie kann hören was ich sage, ich kann mit ihr kommunizieren. Das ist kindliche Phantasie, würde ich sagen, die mir da relativ uneingeschränkt zur Verfügung steht. Das ist doch auch toll zum Abschalten: einfach die Augen zu, ins Bild schauen und begrüßen, was oder wer kommt. So wie früher als Kind auch, als man noch keine Sorgen kannte.

Und ein ganz besonderer Moment ist für mich der Übergang vom Wachbewußtsein ins Traumbewußtsein. Das kann man schwer beschreiben. Wenn ich den Übergang wach erleben will, dann gehe ich in das Bild, das auf den geschlossenen Deckeln meiner Augen entsteht, in den Raum dort aktiv hinein, ich lasse mich da hineinfallen. Und dann geschieht bei irgendeinem dieser Stürze von Raum zu Raum der Übergang und das ist ein einzigartiger Moment. In diesem Moment kommt ein unglaubliches Ganzheitsempfinden dazu in der Wahrnehmung, Alles überall ist wahrnehmbar, was nur da sein könnte. Alles ist erreichbar. Alles kann entstehen, man kann alles wünschen, mit allen sprechen, allen begegnen, sogar den Verstorbenen, und kann sich echt versöhnen da drüben. Beim Aufarbeiten des Unbewußten, das der normale westliche Mensch verträumt. DA finden die entscheidenden Gespräche des Lebens statt, die lösen. Die lösen dann wirklich das "Alles" aus und löschen das Nichts im Alltag weg. Ich glaube für mich, daß damit gemeint ist, daß man seine Träume lebt. Man verträumt dann wie gesagt auch nicht so den Alltag und wird aufmerksamer für alles was da kommen mag, selbst für ungewohnte Worte.

Und das Wort ist die andere Ebene in meinem Denken. Diese Ebene ist eigentlich das, was benennt. Ganz allgemein, Wort benennt. Es hat zunächst einmal keine tiefere Bedeutung. Das da heißt Lautsprecher-Box. Das bezeichnet aber nicht die Technik und schon gar nicht ihre Funktion, sondern zunächst mal nur das Ding das da steht. Die Erfindung, das geschöpfte Ding, das einen Namen bekommen hat wie jedes Kind.

Der Mensch gibt den Dingen gerne Namen, um den unterschiedlichen Wert, der gemeint ist, zum Ausdruck zu bringen. Tisch ist ein anderer Wert als Stuhl, von dem einen kann man essen, auf dem anderen sitzt man. Aber das Wort selber, die Bezeichnung, hat mit diesen Dingen, die der Tisch und der Stuhl sind, vom Grundsatz her überhaupt nichts zu tun. Diese Laute sind über Jahrhhunderte für diese Objekte entstanden, im Grunde haben sie keinen eigenen Wert.

Anders der Ausdruck. Der hat einen übergeordneten Wert, er kann korrekt oder fehlerhaft sein. Der Ausdruck ist aber auch ein Wort, allerdings ist die Wahl individueller. Man kann zu einem Stuhl auch Sitzgelegenheit sagen, das ist nur ein anderer Ausdruck, allerdings wäre es fehlerhaft zu sagen: bittesehr, eine Sitzgelegenheit für Sie. Man würde dann erwarten, daß man Stuhl hört, aber bielleicht verbindet der, der Sitzgelegenheit wählt, ja mit Stuhl Kot. Das ist ja "denkbar".

Wort wie auch Ausdruck erscheinen in meinem Geist. Beides. Da ist Wort und Ausdruck (meines Selbst, und das kann fehlerbehaftet sein). Das Wort dient einem Zweck, den ich nicht kenne. Der Ausdruck meines Selbst dient logischerweise einem Zweck, zuvorderst meinem Selbst. Ob ich diesen Zweck selber frei lasse oder nicht, darüber entscheidet letztlich mein Wille und meine geistige Disziplin. Anders als der Ausdruck erscheint das Wort in meinem Geist zwecklos, einfach so, ohne Zweck. Es ist eine Quelle, ich würde es als einen Sinn bezeichnen. Ein Wortsinn. Das Sat Sang macht es sehr schön deutlich, die Freie Rede aus einem Sinn und für einen Sinn, wobei beide identisch sind. Das ist auch ein Sinn, den man heran bilden kann, der Sinn für das eigene Wort. Genauso wie man den Sinn für die eigene Bewegung heranbilden kann, das ist der sog. Körper- oder Muskelsinn. Das Qigong lehrt das zum Beispiel den Menschen, das TaiChi auch. Der Muskelsinn bringt das Körperbewußtsein und ist mit dem Gleichgewichtssinn verknüpft und reguliert in einem gesunden Körper ungemerkt die unwillkürlichen alltäglichen Bewegungen. Wenn man das Körperbewußtsein nicht genug entwickelt hat, dann ist z.b. in der Sitzmeditation nicht ausreichend Spannung da, um wirklich den Körper zu verlassen und ins Bild einzusteigen. Logischerweise kann nur ein vollkommen bewußter Körper verlassen werden, wenn man gerne wieder zurückkehren möchte, um die Meditation oder den Traum zu beenden. Und das Bewußtsein ermöglicht das Verlassen des Körpers auch erst, wenn widerstreitende Energien in ihm ausgeglichen sind, die Wahrnehmung also vollkommen klar und angstfrei ist- wenigstens in den Momenten, in denen auf allen Ebenen des Lebens Türen durchschritten werden.

Naja und dann denke ich noch in Musik. Ich habe beim freien Singen genauso Erkenntnisse wie beim Denken mit Worten und Bildern. Aber da habe ich noch nie drüber nachgedacht, ergibt sich singend bei mir nie.

Und was ich liebe, liebe, liebe, das ist die Erinnerung. Die bin ich ganz einfach selber. Und damit löst sie in mir auch kein Denken aus, es sei denn, ich selber schaue sie mir an und schaue in dieses Bild hinein bzw. steige hinein und spiele noch einmal mit in dem Film von früher, der beginnt, sobald ich in das Bild einsteige. Natürlich, man kommt so auch an vielen Traumata vorbei, aber was soll es. Es ist allemal besser seinen Traum zu leben als ein Trauma.

also in dem Sinne, free the world!

Et libera nos Offline




Beiträge: 655

29.11.2007 10:59
#20 RE: Der Mensch denkt in Bildern Zitat · antworten
Ich vermiße hier eine Begriffsklärung.

Eine interessante Passage aus dem Wikiartikel zum denken:
Zitat von wikipedia - denken
Das Denken könnte man auch als stummes Sprechen in einer inneren, allen Menschen gemeinsamen Sprache bezeichnen, die nach dem Philosophen Jerry Fodor language of thought (etwa: Sprache des Geistes) oder auch mentalese (etwa: „Denkisch“ oder „Mentalisch“) genannt wird. Die Idee einer Sprache des Geistes (einer lingua mentis) findet sich auch schon – ausgehend von einer These des griechischen Philosophen Aristoteles – in der Philosophie des Mittelalters.

Allerdings gibt es auch ein Denken in Bildern, das die Kunst kennt und das dem Traum und der Vorstellung verwandt ist – die Einbildung (der Chemiker Friedrich August Kekulé träumte die Ringstruktur des Benzolmoleküls).

Die natürliche, gesprochene Sprache wäre dann vokalisiertes Denken, wie es Heinrich von Kleist in seinem berühmten Essay Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden beschreibt.

Denken geschieht entweder linear (oder vertikal), also "logisch" und "konsequent", oder aber "quer", d.h. lateral und "analog", was ein vorrangig intuitives Vorgehen miteinschließt.

Das "Bilder sehen" nennt sich IMAGINATION, bzw. Vorstellungsvermögen.

Diese beiden Formen des "denkens" sind so weit mir bekannt ist unterschiedlichen Zonen in den Gehirnhemisphären zugeordnet, und sind bei Männern und Frauen charakteristisch ausgeprägt (was m.E. mehr auf Konditionierung als auf natürliche Veranlagung zurück zu führen ist).
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