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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 1.856 mal aufgerufen
 Märchen, Mythen und Sagen
Rembrand Offline



Beiträge: 1.642

20.12.2007 22:33
Das Gasthaus Zitat · antworten


Om shanthi,

war so eben in einem Dorfgasthaus.
Der gegenwärtige Pächter ist ein Türke, ein sehr freundlicher Mann, in der Mitte der vierzig.
Er betreibt das Gasthaus, so erzählte er mir neulich, seit 20 Jahren.
Dort gibt es wunderbare Pizzen und auch die Nudelgerichte sind ganz wunderbar.
Natürlich zum Mittnehmen ...

Genau dazu hatte ich mich heute Abend entschlossen.
10 Minuten ... also wollte ich kurz in dem Ort noch "eine Runde drehen", ein Abendspaziergang.
Draußen vor der Tür, einige jumge Männer zitternd an Ihren Zigaretten ziehend. Es ist kalt, minus drei Grad. Die Herren halten durch, die Frisur sitzt ...
Auch mir ist es nach einer Weile etwas zu kühl ... also, gehe ich zurück ins Gasthaus.
Das Gasthaus ist heute Abend gut besucht ... Weihnachtsfeiern ... da jauchzt der Wirt und bedient zuvorkommend.

Ich nehme in der Nähe des Tresens, an einem Tisch mit zwei älteren Herren platz.
Ich nenne Sie mal Karl-Heinz und Schorcsch.
Auf meine Frage ".. noch frei?", lächeln sie und laden mich ein, ich winke ab, habe noch zu tun ...
Die beiden sind in Gesprächslaune, ihr Dialekt, eifach himmlisch. Die Zunge scheint beim sprechen nach oben, gen Gaumen gerollt, daraus entstehen Laute, ähnlich einem Hundegeknurre. Ich höre sehr genau hin was sie sagen, konzentriere mich und versuche die deutsche Sprache wieder zuerkennen, ich habe Glück, es gelingt mir relativ schnell ... .

Karl-Heinz muss auf die Toilette, schiebt sich aus der Sitzbank, Schorsch hatte ihm den Weg frei gemacht. Als er an mir vorrüber geht, bleibt er einen Moment stehen und drückst seinen Zeigefinger auf die Tischplatte, dabei erzählt er mir etwas aus seinem Leben.
"Isch bin hier seit sechzsch Jahrn in der Kneip. Hier hab isch des Raache anfange. Da war isch fuffzeh. Jetzscht soll isch uff de Klo Raache oder vor de Tiüre, in de Kält. Abea desch mach isch nett ...!" sagst und geht seinem Ziel entgegen.
Ich bin beeindruckt ... sechzig Jahre ... fünfzehn war er ... der Schorsch ist bestimmt genauso alt, die sind bestimmt hier geboren ... gemeinsam zur Schule gegangen ... Gedanken, Gedanken, Gedanken ...
Der Schorsch zu mir: "Die mache da oben mit uns klaane Leut was se wollen. Die finden für alles noch ne Steschuhr, aber die, die habe kaa Steschuhr, aber mer, mer kriieje do imma mer..." Er unterstreicht seine Worte mit einem Kopfnicken, greift nach seinem Glas. "Mer entwigkele uns imma meehr zu nem sozialistische Überwachungsstaat, un kaana merkts." Bin erstaunt über seine offenen Worte, mit diesem Gedanken hatte ich nicht gerechnet. Schau nach den anderen Gästen, die großteils viel jünger sind. Einige reden sehr angeregt. Machen dabei wichtige Gesichter, Gesten, es wird um den Job gehen, oder Partnerschaft, eventuell der letzte Urlaub.
Karl-Heinz ist zurück und schiebt sich, nachdem Schorsch aufgestanden ist, wieder in die Bank. Er wirkt zufrieden.
Ich beobachte die Beiden, sie sitzen seit sechzig Jahren hier. Karl-Heinz: "isch bräucht ja nimmer her komma, könnt jo daham raache ... ." Ich nicke mit dem Kopf, warte auf die Begründung wieso er trotzdem kommt. Es kommt nichts, er trinkt von seinem Bier. Wieder sehe ich die wichtig miteinander kommunizierenden Gesichter.
Staune ...
Der Kellner kommt mit meiner Bestellung. Ich zahle, der Kellner bedankt sich- ich mich auch, stehe auf, verabschiede mich von den beiden Herren und wünsche ihnen noch einen schönen Abend. Sie nicken und winken mir zu. Ich gehe aus der Tür, wieder zwei einsame, rauchende Gestalten, eine Frau und ein Mann, mit vor der Brust verschränkten Armen. Das Rauchen legitimiert ganz eigene intimsphären in der Öffentlichkeit. Ich sehe sie frieren. An ihnen vorbei zum Auto.

Während der Fahrt denke ich an die "sechzig Jahre". Die beiden Herren haben mich im richtigen Moment beeindruckt scheints. Die Beiden sind bestimmt nicht die einzigsten die das geschafft haben.
Wie sich Leben doch gestalten kann.
Sechzisch Jahrn immer in der selben Kneip.

Manchmal ist es doch auch eine Gnade, wenn man sich über irgendwas wichtiges aufregen kann. Man muss dann nicht erleben wie man lebt.

Das waren ca. 12 Minuten am 20.12.2007



Liebe Grüsse
Rembrand

Roksi Offline




Beiträge: 2.852

22.12.2007 00:25
#2 RE: Das Gasthaus Zitat · antworten

Zitat von Rembrand
Das waren ca. 12 Minuten am 20.12.2007
... aufgeschrieben um 22:33 Uhr.

Auch eine Geschichte, Rembrand. Danke.

Ich glaube, ich bin jetzt in den Foren nur an Geschichten Lesen. *lach*

Lieben Gruß
Roksi

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